Let it squirt - die "weibliche" Ejakulation

Der „G-Punkt“ und die „weibliche“ Ejakulation werden teilweise noch sehr widersprüchlich diskutiert und rufen in Fachdiskuren meist große Unstimmigkeiten hervor. Obwohl vieles noch nicht bzw. nicht ausreichend erforscht wurde, gibt es doch einige Studien und Entdeckungen. Diese werde ich euch nicht vorenthalten und ihr dürft mich auf diese kleine Reise durch den Körper von Menschen mit Vulva begleiten. Wobei hier gleich angemerkt sei: Jeder Mensch und jeder Körper ist unterschiedlich und daher kann sowohl die Genitalanatomie als auch die innen liegenden Organe variieren. Das ist völlig normal. Ich werde aber dennoch diese Woche manchmal von Frauen* und Männern* sprechen, da es hier auch um einen geschichtlich aufgeladenen Diskurs geht. Das so wenig über die Sexualität von Frauen wissenschaftlich erforscht ist, ist kein Zufall. Ganz lange Zeit wurde Frauen* der Zugang zu Bildung und Wissenschaft verwehrt. Auch das Thema der „weiblichen“ Ejakulation unterliegt diesem Tabu. Das gilt es diese Woche aber zu beleuchten! - Also, Regenschutz an und los geht’s!

"to squirt" - frei übersetzt bedeutet "abspritzen"

Googelt man den Begriff squirten kommt sofort eine Wikipedia Seite die die "weibliche" Ejakulation erklärt. Ejakulation kommt vom lateinischen ejaculari - was so viel bedeutet wie "auswerfen" oder "herausschleudern". Irgendwann wurde das noch geschlechtsneutrale Wort dann nur noch mit dem klassischen Samenerguss von Menschen mit Penis in Verbindung gebracht. Die weibliche Ejakulation verschwand trotz jahrhundertelanger Tradition von der Bildfläche und wird erst spät wiederentdeckt. Sowohl in Schriften aus dem alten China, Altindien und natürlich den tantrischen Schriften ist immer wieder die Rede von der „weiblichen“ Ejakulation. Spannend, oder?


G-Fläche – Wunderknopf fürs Squirten?

Wusstest du, dass es egal ist, wo genau Menschen stimuliert werden. Es gibt keinen "Wunderknopf" fürs Squirten! Studien zeigen aber auf, dass viele Menschen squirten, wenn die sogenannte G-Fläche stimuliert wird. Diese liegt aber auch nicht bei allen Menschen an der gleichen Stelle! - Wenn du dich auf die Suche nach deiner G-Fläche machen möchtest, dann hör besser mal in meinen Podcast rein. Dort verrate ich dir einige Tipps und Tricks aus Studienergebnissen zu dem Thema. So viel gleich mal vorab – es braucht Geduld und bestimmt einige Entdeckungstouren durch die Innenräume deiner Vagina! Manche Menschen ejakulieren bei vaginaler Stimulation, bei externer klitoraler Stimulation und wieder andere bei analer Stimulation. Es muss also nicht immer unbedingt mit der G-Fläche zu tun haben.

G-Punkt – die unpassende Übersetzung des G-Spots

Der G-Punkt (Gräfenberg-Punkt) ist eigentlich viel mehr eine Fläche oder Zone und nicht nur ein kleines Pünktchen, dass es zu finden gilt. G übrigens, weil der Typ, der ihn angeblich entdeckt hat (oder viel mehr benannt hat) Gräfenberg hieß.

Verschiedensten Studien zu Folge haben zwischen 10 und 69% der Menschen mit Vulva bereits einmal beim Sex ejakuliert. Trotz dieser schwankenden und vor allem hohen Zahl ist es gut möglich, dass viele gar nicht wissen, dass sie ejakuliert haben. Manche halten alle ihre Flüssigkeiten für Vaginalflüssigkeit. Für größere Flecken im Bett muss wohl der Partner verantwortlich sein und wenn es nicht der Partner war, wird es für viele peinlich, weil sie denken, dass sie während des Sex gepinkelt haben. Tatsächlich beschreiben ganz viele Menschen das Gefühl kurz vor dem Squirten als "Ich-muss-pinkeln". Auch nicht verwunderlich, wenn man sich die Lage des Prostatagewebes zur Harnröhre hin ansieht! Das Prostatagewebe umgibt nämlich die Harnröhre. Zudem ist da auch klitorales Gewebe mit am Start. Die Kombi machts also! :D

Urin ist es trotzdem nicht.


Was genau ist nun in der Flüssigkeit die beim Squirten bzw. der "weiblichen" Ejakulation ausgeschüttet wird?


Zunächst variieren die Flüssigkeiten sowohl von der Farbe, des Geruchs und der Beschaffenheit. Dies ist oftmals auch Zyklus-abhängig. Von durchsichtig, milchig bis hellgelb ist alles dabei. Enthalten ist Glukose und PSA - das ist die saure Prostataphosphase, die bereits vom "männlichen" Prostatasekret bekannt ist. An Hormonen wurde bis jetzt nur Serotonin festgestellt - hier sind aber weitere Untersuchungen noch ausstehend. Es kann auch sein, dass 1-2% der Flüssigkeit Urin sind. Der Großteil des Ejakulats ist aber KEIN Urin!! Und ja, alle Menschen haben eine Prostata - nur, dass sie bei Männern* meist sehr gleich aussieht und Menschen mit Vulva stark variieren kann. Hier spricht man auch nicht von einer Prostata in Kastanien-Form, sondern von einem Prostataschwellgewebe. Dieses befindet sich rund um die Harnröhre, und verfügt über zahlreiche Drüsen. Diese Drüsen haben viele Namen unter anderem auch paraurethrale Drüsen oder Skene-Drüsen. Wieviel Ejakulat bei einmaligem "squirten" aus diesen Drüsen fließt ist sehr individuell. Bei manchen ist es nur ganz wenig, kaum merkbar und bei wieder anderen fühlt es sich nach literweise Ejakulat an. Es empfiehlt sich also ein Handtuch unterzulegen oder das Experimentieren in die Dusche oder Badewanne zu verlegen. (Wenn man keine Sauerei machen will).


Ganz spannend bei dem ganzen Diskurs um G-Flächen, Squirten und "weibliche" Lust ist ja, dass für viele Frauen*, "squirten" sexueller Alltag ist und dieses Wissen seit Jahrhunderten überliefert wurde. Dennoch gibt es nach wie vor Menschen (auch Mediziner*innen) die diesen körperlichen Vorgang negieren und stattdessen Harnwegs-Inkontinenz diagnostizieren. Das ist schlicht und ergreifend falsch.


Warum wird Frauen* in so vielen Belangen einfach nicht geglaubt oder ihnen die nötige Kompetenz abgesprochen?

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