HIV – Kennst du deinen Status? #Folge17

HIV und Aids, das sind Wörter, die den meisten Menschen etwas sagen. Aber wisst ihr wirklich was dahintersteckt? Und was ist eigentlich genau der Unterschied?


Um mehr über HIV und Aids zu erfahren, hat Magdalena sich mit der Aidshilfe Oberösterreich getroffen und durfte einiges zum Thema Aids erfahren.


Text zur Podcstfolge 17, verfasst von Tabea Erll.



Aidshilfe Oberösterreich – was machen die überhaupt?


Die Aidshilfe Oberösterreich ist engagiert rund um das Thema HIV: Sie leisten Präventionsarbeit in Schulen, für pädagogische Fachkräfte und Interessierte. Sie informieren durch ihre Öffentlichkeitsarbeit die Gesellschaft über HIV und Aids und räumen mit Vorurteilen und Mythen auf.

Sie sind in der LGBTQ-Szene unterwegs um besonders vulnerable Personengruppen, wie zB homosexuelle Männer, aufzuklären und ihnen Präventionsmaßnahmen an die Hand zu geben.

Außerdem sind sie Anlaufstelle für potenziell und tatsächlich HIV-infizierte Menschen. Bei der Aidshilfe Oberösterreich ist es möglich sich auf die Big Five, die 5 am weitesten verbreiteten Geschlechtskrankheiten, kostenlos testen zu lassen. Zu den Big Five zählt man HIV, Hepatitis, Syphilis, Chlamydien und Gonorrhoe.


Wird eine Person positiv auf eine sexuell übertragbare Krankheit getestet, erhält sie bei der Aidshilfe die Möglichkeit auf Beratung und Unterstützung.


Die Beratung und Unterstützung von HIV-positiven Menschen, auch im Rahmen von Gruppenangeboten, ist ein ganz wichtiger Faktor der Arbeit der Aidshilfe. Da HIV-positive Menschen noch immer stark unter Stigmatisierung und Diskriminierung leiden, stehen die Mitarbeiter*innen der Aidshilfe ihnen zur Seite und unterstützen sie individuell nach Bedarf.



Aids und HIV – was ist eigentlich der Unterschied?


Aids und HIV sind Wörter, die die meisten Menschen miteinander in Verbindung bringen können. Aber ist das dasselbe? Und wenn nicht, wo liegt der Unterschied?

HIV bedeutet übersetzt Humanes-Immunschwäche-Virus. Sprich, es handelt sich um ein Virus, das unser Immunsystem angreift. Dadurch kann das Immunsystem im Laufe der Zeit dermaßen geschwächt werden, dass normale und eigentlich ungefährliche Krankheiten wie zB ein Schnupfen, immer schlimmer verlaufen, länger andauern und ggf. schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können.


Oft dauert es 8-10 Jahre, bis Betroffene merken, dass sie HIV-positiv sind. Das liegt unter anderem daran, dass die Betroffenen kaum bis gar keine Symptome zeigen und erst nach langer Zeit ihr Immunsystem dermaßen angegriffen ist, dass sie ernsthaft krank werden und beispielsweise im Krankenhaus behandelt werden müssen. Dort wird meist eher durch Zufall bei einer Blutuntersuchung die Diagnose gestellt.


Ein anderer Grund für die oftmals späte Diagnose ist, dass die meisten Menschen den HI-Virus zwar kennen, sich aber keine Sorgen über eine Ansteckung machen. So werden Risikosituationen nicht als solche bewertet und im Anschluss an diese Situationen findet kein HIV Test statt.


Das Paradoxe: umso früher die Diagnose HIV-positiv bekannt ist, desto früher kann man sie medikamentös behandeln. Damit kann man der Krankheit, die durch das HI-Virus entsteht, Aids, vorgreifen und sie ggf. sogar vermeiden. Denn was viele nicht wissen, unter medikamentöser Therapie ist HIV nicht ansteckend!


Das liegt daran, dass die Medikamente die Viruslast im Körper reduzieren und die Viren bei einem guten Medikationsverlauf nur noch geringfügig nachweisbar sind. Aber auch eine bereits ausgebrochene Aidserkrankung kann durch die Medikamente gut verlaufen und die Virenlast drastisch senken.


Aids und HIV sind durch eine gut eingestellte Medikation nicht heilbar, es lässt sich jedoch gut mit dem Virus und der Krankheit leben.


HIV, Aids und die Diskriminierung


Nun sollte man meinen, dass wenn HIV und Aids durch Medikamente gut behandelbar sind, das Ganze kein großes Problem im Alltag für Betroffene darstellt. Doch weit gefehlt! HIV-positive Meschen sind tagtäglich von verschiedenen Diskriminierungsformen betroffen. Sie dürfen beispielsweise kein Blut spenden, sich nicht tätowieren lassen und auch von einer Lebensversicherung sind sie aufgrund ihrer Diagnose ausgeschlossen.


Viel spürbarer wird jedoch die soziale Diskriminierung. Da HIV und Aids in unserer Gesellschaft noch immer stark stigmatisiert sind, fällt es vielen Betroffenen schwer sich jemandem anzuvertrauen und über ihre Diagnose zu sprechen. Nicht selten kommt es vor, dass HI-positive Menschen sich jemandem anvertrauen und fremdgeoutet werden.


Kann ich mich beim Küssen mit HIV anstecken? – die HIV-Übertragung und ihre Mythen


Nein, natürlich kann man sich beim Küssen nicht mit HIV anstecken.

HIV wird hauptsächlich über ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Und selbst dabei gibt es Unterschiede:

Das HI-Virus ist erstmal in jeder Körperflüssigkeiten der erkrankten zu finden. Die Viruskonzentration ist jedoch nur in Blut, Samenflüssigkeit, Scheidenflüssigkeit, Muttermilch und Analsekret hoch genug, um HIV zu übertragen. Um sich mit dem HI-Virus anzustecken, muss von eine dieser Körperflüssigkeiten einer infizierten Person in den eigenen Körper gelangen.


Trifft also HIV infiziertes Blut auf eine intakte Hautfläche, ist eine Ansteckung nicht möglich. Trifft HIV infiziertes Blut auf eine offene Wunde, kann es zu einer Übertragung kommen.

Wie schon erwähnt, wir HIV vor allem durch ungeschützten Sex übertragen. Das liegt daran, dass überall im Körper, wo Sex stattfindet (Penis, Vulva, Mund, After) Schleimhaut liegt. Die Schleimhäute des Körpers sind empfindlich und stellen ein großes Risiko zur Infektion dar.

Doch auch hierbei gibt es Unterschiede. Beispielsweise ist ungeschützter Analverkehr deutlich riskanter als Vaginalverkehr oder Oralverkehr. Trotz allem besteht bei einer nicht behandelten HIV-Infektion beim ungeschützten Sex immer das Risiko zur Ansteckung. Hier schützt bloß ein Kondom!


Die medikamentöse Therapie kann, wie schon erwähnt, die Viruslast so weit senken, dass eine Ansteckung ausgeschlossen ist.


Was sollte sich ändern?

Betroffene und die Mitarbeiter*innen der Aidshilfe Oberösterreich wünschen sich, dass Aids und HIV in unserer Gesellschaft angenommen und behandelt wird wie jede andere Krankheit auch. Die Medizin verhilft Erkrankten zu einem weitestgehend normalen und gesunden Leben. Nun sollten sich auch endlich die gesellschaftlichen Umstände ändern. Erst dann können Betroffene angstbefreit von ihrer Krankheit berichten und all die Mythen und Falschinformationen rund um HIV ausgemerzt werden.

 

Mein Name ist Tabea Erll und ich bin 24 Jahre. Aktuell studiere ich im Master Angewandte Sexualwissenschaften an der HS Merseburg.


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