Gips die Vulva - Dein intimster Abdruck

Mirko Hecht. Ein Tierarzt, der im Rhein-Main Gebiet mit seiner Familie lebt. Ein ganz normaler Alltag möchte man meinen. Doch Mirko ist Künstler. Auf „@ishowflag_isback“ kann man seine Arbeit bewundern. Was genau macht ihn aber aus? Vor sechs Jahren hat Mirko begonnen Gipsabformungen von Genitalbereichen zu nehmen. Anfangs als spannendes Kunstprojekt. Mittlerweile erkennt er immer mehr den körperpositiven Zugang und die edukative Seite seiner Arbeit. Diese Woche ist er zu Gast im Podcast unserer Gastautorin Magdalena Heinzl von @sexologisch. Hier könnt ihr einen Auszug aus der aktuellen Folge (Folge 9 – Gips die Vulva – Dein intimster Abdruck) hören.

Magdalena: Wie bist du denn überhaupt dazu gekommen Vulven Abdrücke zu machen?

Mirko: Also das war im Jahr 2014 in Hamburg. Ich bin umgezogen und hatte eine schöne Altbauwohnung mit einer riesengroßen weißen Wand. Ich war schon immer Kunstaffin und wollte auch immer schon besondere Dinge in der Wohnung haben. Ich baue auch meine Möbel selbst und dachte mir: An diese Wand muss ein Kunstobjekt, dass nicht alltäglich ist. Etwas das man nicht so schnell reproduzieren kann. Und hab dann beim Surfen durchs Netz das Projekt von Jamie McCartney entdeckt- Der ist ja Begründer der Great Wall of Vagina. Der hat quasi auch diese Abformungen der Vulven als großformatiges Bild installiert. Da war ich so gefesselt von der Idee und ich fand diese Symmetrie und Geometrie so faszinierend, dass ich mit der Challenge einfach begonnen habe. Ich habe eigentlich aus privatem Interesse eine Kunstskulptur machen wollen, die so außergewöhnlich ist, dass sie mich und auch alle anderen die in die Wohnung kommen, zum Staunen bringt. Ich habe aber dann gemerkt, so nach den ersten 50 Teilnehmerinnen, dass da ein großes Thema herrscht. Das Interesse war nicht vordergründig mir zu helfen diese Skulptur herzustellen, sondern da gab es viele Themen.


„Ich dachte eigentlich, meine Vulva sei hässlich!“ (Worte einer Teilnehmerin)

Mirko: Meine inneren Lippen sind zu groß, zu unsymmetrisch. In den Büchern sieht eine Vulva immer anders aus als meine. Das war sehr bewegend, weil ich nicht wusste, dass das ein Thema ist. Und dann hat sich die Motivation eigentlich dahingehend verändert, dass ich gemerkt habe, ich gebe bestimmten Personenkreisen eine Plattform. Also einerseits den Teilnehmer*innen sich mit ihrem Körper und der Form und dem Aussehen der Vulva auf eine ganz andere Art und Weise auseinanderzusetzen. Aber auch dem Publikum. Egal ob männlich, oder weiblich oder divers. Mein Ziel war es einfach Menschen zu zeigen, wie unterschiedlich eine Vulva aussehen kann. Und somit ist das Projekt einfach weitergewachsen.

Magdalena: Ja da herrschen viele falsche Bilder vor. Das ist auch etwas, dass ich sehr häufig mitbekomme und miterlebe in meiner Arbeit.


Wenn man sich dazu entschlossen hat teilzunehmen, egal ob alleine oder in der Gruppe, dann ist zu 100% die Reaktion WOW!

Mirko: Das Wow von dem eigenen Mut da mitzumachen und es auch bis zum Ende durchzuziehen bis hin zum Wow beim Sehen des Ergebnis. Das macht viele stolz und rührt auch einen großen Teil zu Tränen, was mich natürlich auch wiederum sehr berührt, einfach zu sehen, was das auslösen kann. Die Reaktion von Menschen von außen, die sich die Abdrücke im Rahmen einer Ausstellung ansehen dürfen ist auch durchwegs positiv. Es macht etwas mit den Menschen, mit dem Publikum bei Ausstellungen aber auch mit mir.

Eine Teilnehmerin hat sich Beispielsweise mit mir verabredet, um noch eine Vulva-Abformung machen zu lassen, weil sie sich entschieden hat, ihre inneren Vulvalippen kürzen zu lassen und sie wollte sich unbedingt nochmal ihre Vulva abformen lassen. Als sie dann bei mir war und ihre Abformung in den Händen hielt wurde sie nachdenklich. Sie hatte dann auch die Gelegenheit sich hundert andere Vulven an der Wand anzuschauen – da hat man bemerkt, da arbeitet was im Kopf. Sie hat mir dann am gleichen Abend noch auf Whatsapp geschrieben, dass sie gerade ihren Termin abgesagt hat, weil sie keinen Bedarf mehr sieht. Weil sie gesehen hat, wie normal sie ist. Das da überhaupt nichts ist, was man wegmachen muss und längere innere Lippen im Abdruck viel interessanter aussehen als versteckte Lippen. Sie hat bemerkt, dass man diesem Pseudo-Idealbild gar nicht mehr hinterherrennen muss. Wenn ich es geschafft habe, durch das Projekt, nicht durch überreden, durch verbale Kommunikation, sondern einfach durch das Bieten einer Plattform, diese Möglichkeit der Reflexion zu geben, sodass sich dann eine Teilnehmerin gegen ihre eigene OP mit all den schlimmen möglichen Folgen entscheidet, muss ich sagen, dass ich alles richtig gemacht habe.


Du möchtest den Podcast hören oder noch mehr über Mirkos Arbeit erfahren? Hör den Podcast „sexologisch“ auf Spotify, Snitcher und Deezer – jeden Mittwoch neu (https://open.spotify.com/show/78PTGhto8Vgv9IpdHgEQ5O?si=sD5GVngkTHCTH7JtPwvoVw). Folge Mirko auf Instagram (https://www.instagram.com/ishowflag_isback), schau auf seiner Webseite (www.ishowflag.com) nach oder check die Videos auf seinem YouTube Kanal (www.youtube.com/channel/UCLy66Bv-q-rArVTJP4mzQBg). Wenn du selbst Interesse an einem Gentalabdruck aus Gips hast, dann melde dich bei ihm per Email (info@ishowflag.com)oder über sein JoyClub Profil (www.joyclub.de/profile/2363987.bodycast.html).



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