Eine Perspektive aus der Sexarbeitsindustrie

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Gastbeitrag von tyga dares (Pronomen: keins)


Ich bin 30 Jahre alt. Mein Name ist nicht wichtig. Seit 3,5 Jahren arbeite ich in

verschiedenen Bereichen der Sexindustrie. Ich hatte das Glück, irgendwann in einem

Umfeld zu leben, in dem ich neugierig sein durfte. Ich startete als Escort (full service

Sexwork). Mit jedem Kunden und jedem Austausch mit anderen Escorts wächst meine

Erfahrung, mein Selbstbewusstsein, erweitern sich meine Skills.

Vor knapp 3 Jahren machte ich meine ersten Erfahrungen im Porno für große Firmen,

queer feministischen Kollektiven und vixxe nun auch in home Masturbationsvideos für

meine Kunden für ein extra Taschengeld.

Ich liebe was ich mache, auch wenn es manchmal frustrierend sein kann. Ich bin mir

dieses Privilegs bewusst. Meine Entscheidungen und Umgangsweisen mit Menschen in

meinem Privatleben spiegeln sich in meiner Arbeit wieder und vice versa.


Dieser Text soll all jene Menschen bestärken, deren sexuellen Begehren außerhalb

gesellschaftliche Normen fallen. Gleichzeitig soll er Menschen einen Denkanstoß bietenandere

nicht zu verurteilen, nur weil sie Dinge tun, die sie sich selbst nicht vorstellen

können, oder weil sie einen anderen Umgang mit Gefühlen und die Kommunikation

darüber haben.

Noch immer stehen Diskriminierung und Gewalt gegen Menschen, deren sexuelle

Begierden und Umgangsformen im Miteinander, sich außerhalb der heteronormativen,

monogamen Zweierbeziehung und anderen Gesellschaftsnormen befinden, an der

Tagesordnung. Das betrifft unter Anderem auch Sexarbeitende und Queers, täglich und

überall.


Eine Perspektive aus der Sexarbeitsindustrie

Enge Vorstellungen von Normalität beschränken unsere Träume und

Existenzmöglichkeiten. Sie schließen Personen aufgrund ihrer Körper, ihres Aussehens,

Auftretens und Begehrens aus dem Bereich dessen aus, was gesellschaftlich als gutes

Leben anerkannt wird, und bringen Menschen dazu, sich selbst - die eigene Sexualität, die

eigene Identität zu verachten.

Der Weg dahin, meine Sexualität selbstbestimmt zu leben und meine Beziehungen zu

Menschen nachhaltig mit Vertrauen zu stärken, war geprägt von Umlernen und neuem

Lernen, Reflektionsprozessen, Rückschl.gen, Unsicherheiten und Abwertungen. In

queeren safer spaces wurde ich auf bestimmte Themen sensibilisiert. Ich lernte

antisexistische Lebensweisen kennen und setzte mich mit Awarenesspraktiken und sehr

viel mit mir selbst auseinander. Grenzen kennen und wahren, Bedürfnisse erspüren und

aussprechen, Verantwortung übernehmen für die eigenen Handlungen, nachfragen,

Unsicherheiten zeigen, Privilegienbewusstsein entwickeln...


All das half mir, in Freund*innenschaften und anderen intimen Beziehungen und später

dann in der Sexarbeit meine Grenzen und Bedürfnisse zu spüren, auszusprechen und

besser auf mein Gegenüber eingehen zu können. Und all das vermittle ich jetzt meinen

Kund*innen, was die meisten sehr zu schätzen wissen. Für mich ist Sexarbeit auch

politisch. Das ist meine Perspektive und mein Umgang damit- es gibt andere Geschichten