Das große 1x1 der Verhütungsmethoden

Artikel zur Folge 14 - "Das große Verhütung 1x1" des sexOlogisch Podcast zusammengefasst von Claudia Contu alias Wortkünstlerin


Du bist sexuell aktiv oder möchtest es endlich sein? Na dann los geht’s, allerdings solltest du vorher erfahren, wie du dich vor Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaften (wenn denn diese nicht geplant sein sollten) schützen kannst. Wenn du nach dieser Podcastfolge noch Fragen dazu hast, stelle sie gerne auch auf meinem Insta-Account. Ich bin super froh, wenn wir uns dort austauschen und auch andere davon profitieren können!


Zunächst mal: Wir unterscheiden grundsätzlich schon mal zwischen hormonellen und hormonfreien Verhütungsmethoden. Lasst uns mit den hormonellen beginnen.


1. Die Pille


Wer kennt sie denn nicht, das klassische und ursprünglichste aller hormonellen Verhütungsmittel? Na? Klar, die Pille. Sie war damals ein großer Durchbruch für ein selbstbestimmtes Sexualleben. Denn seien wir doch mal ehrlich, so ganz unter uns ;)

Die meisten Menschen haben wohl Sex, weil sie eben Lust auf Sex haben. Aus purem Spaß und Wohlwollen. Eher weniger, weil sie bei jedem einzelnen vollzogenen Sexritual auch tatsächlich ein Kind zeugen möchten. Demnach bedeutete die Pille also die pure Freiheit.


Endlich gab es also dieses eine Medikament, bestehend aus verschiedenen Hormonen und Hormonkombinationen, die dies auch ermöglichte.

Sie wird jeden Tag in etwa zur selben Zeit eingenommen und verhindert die Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut und in Folge dessen, die Heranreifung einer Eizelle sowie den Eisprung. Die Pille trickst also unseren Körper aus und lässt ihn glauben, wir wären bereits schwanger und siehe da: Sind wir schwanger, können wir es nicht noch einmal werden ;)


Die meisten Pillen sind eine Mischung aus Gestagen und Östrogen und verhindern den Eisprung. Wir nehmen sie drei Wochen, manche auch 28 Tage ein. Im ersten Fall haben wir nach den 3 Wochen eine Woche Pause, in der wir unsere Regelblutung bekommen. In der 28 Tage Variante haben die letzten 7 Tage einen Placeboeffekt. Um es auf den Punkt zu bringen: Nehmen wir die Pille, bekommen wir NICHT unsere Menstruation. Es handelt sich um eine ERSATZBLUTUNG, sprich eine Abbruch- oder Zwischenblutung. Es gibt auch reine Gestagenpillen, bei denen überhaupt keine Schleimhaut produziert wird, bei diesen hier bleibt auch jegliche Ersatzblutung aus. Höchstens eine kleine Schmierblutung kann ins Höschen fließen ;)


Damals, als die Pille unsere Welt eroberte, gab es manch eine Frau, die aufschrie, als es hieß, sie könne auch durchgehend eingenommen werden, denn dieses Teufelswerk würde unseren Körper ja quasi seine weibliche Arbeit nicht leisten lassen – sprich, unsere Blutung aussetzen lassen. Gut, dachten sich die Mediziner:innen (gab es damals überhaupt :innen?), dann nehmt sie eben nur 3 Wochen… Dass es sich dabei so oder so nicht um unsere Menstruation handelte, wurde nicht auf die große Glocke gehängt.


Was ich persönlich viel trauriger finde, die Pille wird nicht nur als Verhütungsmethode numero 1 verkauft (wortwörtlich), sondern sie gilt auch als Wundermittel gegen Akne und fettige Haut, gar fördernd für das Brustwachstum. Mag alles ein feiner Nebeneffekt sein, aber:


Die Pille bleibt ein Verhütungsmittel, keine Schönheitsmaßnahme! Uuuuund: Sie schützt NICHT vor Geschlechtskrankheiten!



Aber mal ein paar Punkte zur Anwendung:


- Beginnen wir mit der Pille am ersten Tag unserer Periode, gilt der Schutz ab sofort. Beginnen wir hingegen irgendwann mal im Laufe unseres Zyklus, sollten wir lieber diesen Zyklus komplett abwarten, um auf Nummer sicher zu gehen ;)

- WICHTIG: Bei einer Einnahme von drei Wochen, darf die Pillenpause von 7 Tagen nicht verlängert werden! Sonst gibt es keinen Schutz vor einer Schwangerschaft mehr.

- Die Pille muss regelmäßig eingenommen werden. Ja, bei manchen Präparaten haben wir ein Zeitfenster von 12 Stunden, dennoch versuchen wir doch so genau wie nur möglich zu sein – Tipp: einen Wecker stellen!

- Denn: Nehmen wir die Pille zu unregelmäßig ein, vergessen sie, lassen zu viel Zeit dazwischen, wirkt sie nicht mehr!

- Sollte dies tatsächlich der Fall sein, findest du im Beipackzettel für jeden Tag eine genaue Aufklärung. Denn nicht in jeder Woche deines Zyklus ist eine mögliche Schwangerschaft gleich hoch. Ohne detailliert darauf einzugehen, es hat mit dem Zeitpunkt des Eisprunges zu tun, der Überlebenszeit von Eizelle und Samen. Ja, unser Körper ist schon ziemlich faszinierend und komplex, ich weiß…

- Durchaus macht es Sinn, an bestimmten Tagen zusätzlich ein Kondom zu verwenden oder eine Ersatzpille (einen Ersatzblister kann ich euch empfehlen). Solltet ihr euch nicht sicher sein, am besten eure/n Frauenärzt:in kontaktieren!

- Bei Einnahme anderer Medikamente (Ja, auch die Pille ist ein Medikament!) gebt Ärzt:innen Bescheid. Es kann nämlich die Wirksamkeit des Medikamentes beeinträchtigt werden oder aber der Pille und schon bald nennt man euch „Mama“…ups!

- Ganz wichtig: Wechselt ihr von einem Pillenpräparat auf ein anderes, könnt ihr empfängnisbereit sein! Der Körper muss sich nämlich auf eine andere Hormonmischung einstimmen und es kann dann durchaus einige Tage geben, in denen ihr nicht geschützt seid! Ich kenn da ein paar Gschichtchen darüber ;)

- Kurz nach Erbrechen und Durchfall keine Wirksamkeit der Pille mehr!



Die Pille – Des Teufels Werk?


Viele fragen mich immer wieder, ob denn die Pille einzunehmen ungesund sei. Dazu kann ich nur sagen, dass sie meinem Körper nicht geschadet hat. Ich habe sie immer wieder regelmäßig eingenommen, mitunter mal mit einigen Pausen und es ging mir immer gut damit. Doch ich kenne auch Frauen, deren Periode teilweise monatelang ausblieb.


Es kann zum sogenannten Postpill-Syndrom kommen. Sprich der Hormonhaushalt braucht etwas länger, um sich wieder einzupendeln. Darüber berichten vor allem Frauen, die schon sehr jung mit der Pille begonnen hatten. Warum? Wenn ich bereits synthetische Hormone einnehme bevor sich mein natürlicher Hormonhaushalt regulieren hat können, braucht er nach dem Absetzen der Pille schon mal etwas länger, um sich überhaupt selbst zu finden ;)


Mögliche Nebenwirkungen der Pille können sein: Depressionen, Kopfschmerzen, Libidoverlust, erhöhtes Thromboserisiko (Achtung an alle Raucher:innen) und Gewichtszunahme (vor allem bei östrogenfreien Präparaten). Sowie die oben genannten Akneverbesserungen und Brustvergrößerungen - Nebenwirkungen, die ich eventuell gerne auf ein Käffchen einladen würde ;)


Doch die krasse Verteufelung der Pille, die ich medial beobachte, stoßt mir etwas auf, schließlich kann sie für eine Frau da draußen DIE Lösung schlechthin sein. Wir sollten dieser Frau kein schlechtes Gewissen oder gar Angst einflößen! Meine Devise ist absolut „Leben und leben lassen!“


Schließlich haben wir gelernt, dass jeder Körper anders ist. Denn siehe da: Das Einpendeln unseres Zyklus ist so individuell wie es unsere Vulven sind.


Ein Pluspunkt für die Pille: Sie ist mittlerweile das bestuntersuchteste und erprobteste Verhütungsmittel! Uuuuund auch nicht unwichtig: Die Pille ist ein sehr kostengünstiges Verhütungsmittel. Sollte also Geld eine Rolle spielen, bitte sprecht das bei eurem/r Gynäkolog:in an, sodass ein günstigeres Präparat verschrieben werden kann. Teuer heißt hier nicht gleich besser!


Achja, noch ein Pluspunkt? Ein Pearl Index von 0,1 bis 0,9!


Aber seid davor gefeit: Auch ich bin hier keine Expertin. Es gibt auch für mich noch so einiges, das ich (leider) nicht weiß, also kontaktiert mich gerne und ergänzt mein Wissen. Wir können alle davon profitieren.



2. Die Minipille


Diese wird meist Frauen während der Stillzeit verschrieben. Sie bewirkt, dass die Schleimhaut undurchdringlich bleibt - es aber sehr wohl zu einem Eisprung kommen kann. Die Minipille ist rein Gestagen-haltig, geringer dosiert als eine „normale“ und demnach nicht ganz so sicher. Sie muss sehr pünktlich eingenommen werden, die mögliche Zeitspanne ist seeeeehr gering.



3. Die Pille danach


Sehr oft werde ich nach der Pille danach gefragt. Mal ganz klar hier, um sämtliche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Es handelt sich hier nicht um ein klassisches Verhütungsmittel, sondern um ein NOTFALLMEDIKAMENT!

Es gibt zwei Varianten. Eine verzögert den Eisprung, hattet ihr den Eisprung also noch nicht, kann diese Pille danach durch die Verzögerung quasi die Samen solange hinhalten, bis sie der Eizelle nichts mehr anhaben können ;)


Hattet ihr hingegen bereits euren Eisprung, bleibt die Pille danach unwirksam. Sie ist kein Abtreibungsmedikament. Hat sich also schon eine Eizelle eingenistet und ist befruchtet worden, verliert ihr durch die Pille danach euer Kind nicht! Es kann aber eben auch nicht mehr verhindert werden.

Die Pille danach sollte schnellstmöglich nach dem Sex eingenommen werden und wirkt bis zu 72 Stunden. Alle Achtung: Trotz Pille danach müsst ihr euch in den nächsten 3 Tagen dennoch beim Sex zusätzlich schützen! Kein Go for Free, wenn ihr wisst, was ich meine ;)


Die andere Variante ist ein Progesteronblocker und kann bis zu 5 Tage danach eingenommen werden. Sie blockiert das Schwangerschaftshormon und unterlässt die Einnistung einer Eizelle. Aber again: Bei einer schon erfolgten Einnistung nicht mehr wirksam.


Beide Pillen danach sind rezeptfrei in der Apotheke zu erwerben.

Spannend: Es gäbe eigentlich auch eine hormonfreie Pille! Nur nicht hier bei uns ;)

In Indien ist sie sehr gebräuchlich. Sie beinhaltet zwei Stoffe, die zwar hormonfrei sind, aber hormonähnlich wirken. Es sind bloß zwei Einnahmen pro Woche von Nöten, ebenso als Notfallmedikament nach dem Geschlechtsverkehr wirksam! Die Nebenwirkungen sind wohl ähnlich der hormonellen Pille. Die WHO hat sich diese Geschichte bereits angesehen, allerdings gibt es noch zu wenig Langzeitstudien dazu. Mal sehen, ob diese Pille es irgendwann zu uns schafft. Derzeit würde uns allein der Transport 200€ kosten… Joa, wie gesagt, mal sehen…